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Artikel in der Sächsischen Zeitung

22.07.2019

Reha-Schwimmer bald auf dem Trockenen?

Von Jan Lange

Mit der geplanten Schließung der Schwimmhalle in Hirschfelde steht auch die Wassergymnastik auf der Kippe. Denn Alternativen gibt es kaum.

Reinhard Thöns könnte glatt Wahrsager werden. Als die Gemeinde Hirschfelde 2007 in die Stadt Zittau eingemeindet wurde, prophezeite der Hauptübungsleiter der Sportgemeinschaft (SG) Zittau-Süd das Ende der Schwimmhalle im Niederland. Die Stadt Zittau könne sich auf Dauer keine zwei Schwimmhallen leisten, glaubte der 70-Jährige seinerzeit. Und er sollte recht behalten. Der Zittauer Stadtrat beschloss jüngst ein Konsolidierungspaket, das auch die Schließung der Hirschfelder Halle beinhaltet.

Zwischen "nicht leisten können" und "nicht gebraucht werden" liegen aber Welten. Der Bedarf für eine zweite Halle ist da. Auch die SG Zittau-Süd nutzt die Einrichtung in Hirschfelde für ihre Reha-Wassergymnastik. Einmal in der Woche treibt eine 15-köpfige Gruppe hier Reha-Sport auf ärztliche Verordnung. Der Kurs ist immer voll belegt. Deshalb hat die SG in jüngerer Zeit auch mehrere Anfragen nach einem Kursplatz in Hirschfelde abgewiesen.

Mit der Entscheidung des Stadtrates machen sich die Kursteilnehmer nun Sorgen. Wo sollen sie in Zukunft Sport treiben? Im Zittauer Stadtbad bietet die SG Zittau-Süd zwar 17 Kurse an, doch auch sie sind komplett belegt. Es gibt sogar eine Warteliste von vier bis fünf Leuten, wie Reinhard Thöns erklärt. Weitere Interessenten nimmt die SG im Augenblick nicht auf, da die Chancen auf einen freien Kursplatz sehr gering sind. Anfragen gebe es aber regelmäßig. "Und wir dürfen maximal 15 Leute in eine Gruppe aufnehmen", weist der Hauptübungsleiter hin.

Damit Reha-Sportler aus den nördlichen Zittauer Ortsteilen nicht extra ins Stadtbad kommen müssen, hat die SG einen eigenen Kurs in Hirschfelde aufgebaut. Die volle Belegung zeige, so Thöns, dass der Bedarf da ist. "Wir haben die Zeit auf Montag 19 Uhr gelegt, damit auch diejenigen teilnehmen können, die noch arbeiten gehen."

Kurz nach Bekanntwerden der Schließungspläne schrieb der Hirschfelder Organisationsleiter eine Mail an den Vorstand der Sportgemeinschaft, dass man doch ganz schnell eine Kurszeit im Stadtbad beantragen solle, damit die Reha-Sportler möglichst die Ersten seien, die sich um eine Alternative kümmern. Eine zusätzliche Gruppe aufzubauen, sei derzeit aber fast unmöglich, erklärt Thöns. "Es ist sehr, sehr schwer, neue Zeiten im Stadtbad zu bekommen." Schon seit zwei bis drei Jahren sei das so, fügt er hinzu. Und die Situation werde sich in absehbarer Zeit nicht verbessern, ist sich der Hauptübungsleiter sicher. "Das wird ein großes Problem", meint er mit Blick auf die Zeit nach der Schließung der Halle. 

Das Ende der Einrichtung in Hirschfelde könnte sich sogar auf die Stadtbad-Kurse auswirken. Denn auch für den Schwimmunterricht der Grundschulen muss eine Alternative gefunden werden. Um ihn im Stadtbad unterzubringen, könnten vielleicht Kurse von Vereinen gestrichen werden. Dass die SG Zittau-Süd davon betroffen sein könnte, glaubt Thöns aber nicht, da die Reha-Kurse fast immer nachmittags stattfinden.

Für die Hirschfelder Reha-Sportler gibt es also kaum Chancen, ihren Kurs ins Stadtbad zu verlegen oder in andere bestehende Gruppen zu wechseln. Auch die 15 Kursteilnehmer auf die Warteliste zu setzen, sei keine Lösung, steht für Thöns fest. Eine so lange Liste könne kaum abgebaut werden. Eine ärztliche Verordnung für Reha-Wassergymnastik gilt in der Regel für 50 Übungseinheiten. Anschließend können die Sportler weiter in den Kursen bleiben, sie werden dann einfach Mitglied der SG Zittau-Süd. Das ist auch im Sinne des Bunds Deutscher Behinderten- und Rehabilitationssport, der eine Nachhaltigkeit der Sportangebote fordert.

Viele Reha-Sportler machen auch weiter, sagt Thöns. Deshalb ist die SG Zittau-Süd mittlerweile zum zweitgrößten Verein in der Mandaustadt angewachsen. Gleichzeitig bedeutet das aber, dass nur selten Plätze in einem Reha-Wassergymnastikkurs frei werden.

Neben dem Stadtbad eröffnen sich so gut wie keine Alternativen für die Nutzer der Hirschfelder Schwimmhalle. Im Süden des Landkreises gibt es unter anderem noch im Trixi-Bad Großschönau oder im Zittauer Westpark-Center überdachte Schwimmbecken. Ob dort aber auch freie Kapazitäten vorhanden sind, ist fraglich.

Für die Schwimmhalle in Hirschfelde hat die SG Zittau-Süd bis Sommer 2020 erst mal wieder einen Kurs beantragt. So lange ist die Einrichtung mindestens geöffnet. Wie es danach weitergeht, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Hirschfeldes Ortsbürgermeister Bernd Müller (FUW) meint, dass in der Sache noch nicht das letzte Wort gesprochen sei. Der Stadtrat müsse zu den Sparvorschlägen des Konsolidierungskonzepts noch separate Beschlüsse fassen. Müller hofft insgeheim, dass bei den veränderten Mehrheitsverhältnissen im Stadtrat die Entscheidung zur Hallenschließung wieder gekippt wird.

Darauf allein wollen sich einige Nutzer nicht verlassen. Wie die SZ erfahren hat, gibt es bereits eine Unterschriftensammlung für den Erhalt der Schwimmhalle. Wer der Initiator ist, weiß Müller aber nicht. Er will so bald wie möglich Vertreter der Städtischen Dienstleistungsgesellschaft (SDG) als Betreiber und der Stadtverwaltung sowie Nutzer der Halle an einen Tisch holen, um über den aktuellen Stand zu informieren.

 

Foto: Einmal in der Woche nutzt die SG Zittau-Süd die Schwimmhalle in Hirschfelde für ihren Reha-Kurs. © Foto: privat